Eine Katastrophe für die Wirtschaft

Der Mensch ist anders als die Tiere in der Lage, durch Entwicklung seine Bevölkerungsdichte zu verändern.

– Lyndon LaRouche

Aber die menschliche Gattung, das muß man erkennen, ist auch in der Lage, ihre Bevölkerungsdichte auf tragische Weise durch eine große Zahl unnötiger Todesfälle zu verringern – entweder durch Krieg oder durch absichtliche Umkehrung der Entwicklung, indem sie den Fortschritt der wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten der Menschheit ins Gegenteil verkehrt.

Beispiele einer absichtlichen Entvölkerung findet man in der Geschichte der Politik des Britischen Empire in seinen Kolonien, wie im 19. Jahrhundert in Indien und China; und in dem, was dieses Empire seinen amerikanischen Kolonien aufzwingen wollte, was dazu beitrug, den Unabhängigkeitskrieg auszulösen. Heute findet man es in dem Plan, der schon vor Jahrzehnten in Großbritanniens World Wildlife Fund und ähnlichen imperialen Einrichtungen entwickelt wurde und jetzt schamlos „Grüner New Deal“ genannt wird, als ob Franklin Roosevelt so etwas jemals unterstützt hätte.

Für Deutschland oder die Vereinigten Staaten bedeutet die Durchsetzung eines „Green New Deal“ auf Dauer enorme Preissteigerungen für elektrischen Strom, Chaos in der Industrie, Stromausfälle, etc. Aber für Afrika, Indien oder irgendein weniger industriell entwickeltes Land bedeutet es Bevölkerungsreduktion durch Millionen unnötiger Todesfälle.

Was es bedeutet, die Kohlekraftwerke abzuschalten

Für die Vereinigten Staaten bedeutet die fortgesetzte Auferlegung eines „Green New Deal“ enorme Preissteigerungen für elektrische Energie, Chaos in der Industrie und Stromausfälle. Abgebildet: Ein US-amerikanisches Kohlekraftwerk. (Foto: USGS)

Ende 2020 erfuhr die südafrikanische Regierung mit Erschrecken, daß ihre geplanten neuen Kohlekraftwerke verhindert werden, und sie steht unter Druck, in diesem Jahrzehnt viele der Kohlekraftwerke, die den Löwenanteil der elektrischen Energie im Land liefern, stillzulegen.

Südafrika ist doppelt so groß wie der US-Bundesstaat Texas und hat eine vergleichbare Bevölkerungsdichte, aber nur die Hälfte der Stromerzeugungskapazität.

Schlimmer noch: Der Pro-Kopf-Stromverbrauch in Südafrika ist seit 2008 rückläufig und lag 2019 laut IEA bei 3800 kWh pro Jahr – weniger als die Hälfte des europäischen Niveaus und 1000 kWh weniger als 1997. Die Krankenhäuser sind in einigen Landesteilen bereits durch die COVID-19-Pandemie überlastet und leiden unter der Unzuverlässigkeit der Stromversorgung. Wenn der Rückgang weitergeht und sich durch die Vorstöße, die bei weitem größte Stromquelle zu kappen, noch verschlimmert, dann wird die Bevölkerungsreduzierung zu einer Tatsache.

Dr. Kelvin Kemm, Chef der Firma Stratek CC und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der South African Nuclear Energy Corporation, machte in seinem Vortrag bei einem Webinar des Schiller-Instituts am 6. September 2020 deutlich, daß Südafrika so schnell wie möglich kleine modulare Kernkraftwerke braucht, die in der Nähe von Bevölkerungs- und Produktionszentren gebaut werden sollen, wo die Stromleitungen leicht angepaßt werden können.

Die neue Biden-Administration setzt auf ein Verbot jeglicher neuer Stromerzeugung mit Kohle. Außenminister Anthony Blinken schimpfte in der Anhörung vor dem Kongreß zu seiner Bestätigung auf Kohlekraftwerke und machte China für deren Bau verantwortlich. „Wir werden keine ausländischen Investitionen in schmutzige Technologien zulassen“, sagte Blinken vor dem US-Senat und bezog sich dabei konkret auf Chinas Bau von Kohlekraftwerken in den Ländern entlang der Gürtel- und Straßen-Initiative.

Rückschritt der Produktivität

Eine Möglichkeit, steigende Produktivität in industriellen Prozessen auszudrücken, ist die Fähigkeit, mit weniger Energie- und Arbeitsaufwand das gleiche Produkt herzustellen, also mit dem gleichen Input an Energie und Arbeitszeit mehr und besseren Output zu produzieren. Diese Produktivitätssteigerung ist in der Regel auf den technischen Fortschritt zurückzuführen. Aber der „Grüne New Deal“ ist ein Plan, das in der gesamten US-Wirtschaft umzukehren.

Leistungseffizienz nach Energiequelle

Energiequelle Wirkungsgrad der Energieumwandlung Mittlere Leistung (Output) Gesamteffizienz der Energiequelle
Wasserkraft 80–90 % 70 % (Ø 2006–16) 60 %
Kernenergie 35 % 85–90 % 30 %
Fossile Brennstoffe 37 % 75 % 28 %
Wind 45 % max. 20 % 9 % max.
Solar 20 % 20 % (Ø 2006–16) 4–5 %

Der Plan mit diesem Namen, den die Senatoren Bernie Sanders und Edward Markey sowie die Kongreßabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez 2019-20 vorgestellt hatten und der damals von vielen anderen Funktionären der Demokratischen Partei unterstützt worden war, sieht vor, in den USA 100 Millionen benzinbetriebene Kraftfahrzeuge durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen und die Hälfte der Kohle und des Öls, die Privathaushalte und Gewerbebetriebe zum Heizen verwenden, durch Strom zu ersetzen. Gleichzeitig will der Green New Deal aber auch die Kohleverstromung bei der Stromversorgung der Industrie abschaffen und durch „Erneuerbare“ ersetzen.

Insgesamt würde der „Grüne New Deal“ fast eine Verdoppelung der Stromerzeugungskapazität in den USA erfordern, nämlich den Zubau von fast 90 % der derzeitigen Nennleistung von 1100 GW. Der Bau der dafür notwendigen etwa 200.000 großen Windkraftanlagen würde riesige Mengen an Material verschlingen – ganz zu schweigen von der unmöglichen bzw. nicht verfügbaren Materialenge für all die Elektrofahrzeuge (siehe den Beitrag „Elektrofahrzeuge, aber kein Strom!“). Und der Bau dauert dreimal so lang, verglichen mit der Erzeugung der zusätzlichen Energie in modernen, „sauberen“ Kohlekraftwerken – die Kohlendioxid ausstoßen, aber nur sehr geringe Mengen an Stickoxiden, Schwefeldioxid und Feinstaub freisetzen.

Hier abgebildet: Zwei Lichtbogenöfen im Inneren eines Schmiedewerks von Finkl Steel in Chicago. Flickr/cc-by-sa 2.0 /Payton Chung

Angenommen, dies wären alles Windturbinen, dann würden diese nach einer – sehr konservativen – Schätzung anhand der Zahlen des US-Energieministeriums (im Handbuch Ultimate Fast Facts Guide to Nuclear Energy) 6,5 % der Landmasse der Vereinigten Staaten bedecken, 250.000 Quadratmeilen an Windparks – die Fläche der Staaten Nevada, Arizona und der Hälfte von Colorado zusammengenommen. Solarenergie würde sogar die Fläche von fünf Bundesstaaten dieser Größe verschlingen.

Ebenfalls erforderlich wären (konservativ geschätzt) 150.000 bis 200.000 Meilen neuer Hochspannungs- Fernleitungen – wenn man davon ausgeht, daß die lokalen Verteilungsnetze fähig sind, den gesamten zusätzlichen Strom zu verteilen, was auch nicht sicher ist. Leistungsverluste bei der Übertragung entlang dieser sehr langen neuen Hochspannungsleitungen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Aber lassen wir diese gewaltigen Hindernisse einmal beiseite und überlegen: Da all diese neuen Kraftwerke durch industrielle Prozesse hergestellt werden, würde die Industrie weit mehr Energie verbrauchen und weit mehr Arbeitszeit aufwenden als die vorhandene Energie und Arbeit in Form von Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken, die sie ersetzt.

Das ist der zentrale Punkt bei der Definition einer Senkung der wirtschaftlichen Produktivität.

Die einzige sinnvolle Maßnahme, die im Sinne des „Grünen New Deal“ wäre, nämlich die Elektrifizierung des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene und deren Ausbau für höhere Geschwindigkeiten, ist im Vergleich dazu fast belanglos. Es würde nur eine Erhöhung der Stromkapazität in den USA um etwa 1 % erfordern, das sind 10-12 GW neue Leistung, oder 25-30 GW an neuer Leistung, wenn man zusätzlich 10-12 neue Hochgeschwindigkeits-Schienenkorridore aufbaut. Aber gerade die Elektrifizierung bestehender Bahnstrecken ist im Green New Deal nicht vorgesehen.

Dies ist eine Kurzfassung des Originalartikels im amerikanischen EIR-Report „The Great Leap Backward“. Den ganzen Artikel in deutscher Übersetzung können Sie kostenlos beim Verlag anfordern.