„Green Deal“-Landwirtschaft reduziert Nahrungsmittel und Bevölkerung

Farm to Fork, der Plan der EU-Kommission für die Umsetzung des „Green Deal“ in der Landwirtschaft, mit einer radikalen Verringerung der Nahrungsmittelerzeugung.

Die Europäische Kommission hat im Mai 2020 ihre „Farm to Fork“-Strategie und ihre Biodiversitäts- Strategie veröffentlicht. Diese sogenannten Strategien12 sind ein Kernbestandteil des neuen „Green Deal“ der EU, der zu einer deutlichen Senkung der Nahrungsmittelproduktion und zu mehr Hunger und Not für Millionen von Menschen führen wird. Seit zwei Jahren gehen Landwirte in Deutschland, den Niederlanden und anderen Staaten mit ihren Traktoren auf die Straße gegen das EU-Diktat, das in den nächsten zehn Jahren allen Ländern auferlegt werden soll, wobei für 2023 eine Überprüfungssitzung der EU geplant ist (Abbildung 1).

Die Grundidee des neuen Ansatzes der EU ist einfach: Erstens wird den Landwirten befohlen, weniger Land für Ackerbau und Viehzucht, weniger Dünger, weniger Chemikalien zum Pflanzenschutz usw. zu nutzen. Das garantiert eine Senkung der Nahrungsmittelerzeugung. Zweitens wird – zum ersten Mal überhaupt – der Zweck der Landwirtschaftsgesetze von der Nahrungsmittelproduktion auf sogenannte Umweltverbesserung und Verringerung der Kohlenstoffemissionen verlagert. Das erklärte Ziel der EU ist es, „unser Nahrungsmittelsystem mit den Bedürfnissen des Planeten in Einklang zu bringen“ – d. h. ausdrücklich nicht mit den Bedürfnissen der menschlichen Bevölkerung! Die EU hat einen Zeitplan für Maßnahmen aufgestellt, einschließlich der Überarbeitung der EU-weiten Gemeinsamen Agrarpolitik (der 1962 eingeführten Förderung der Landwirtschaft und Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion) und dem Start einer „Carbon Farming Initiative“ im Jahr 2021.

Abb. 1: Bauerndemonstration der Organisation Land schafft Verbindung vor dem Bayerischen Umweltministerium in München am 5. März 2020; im Vordergrund eine Aktivistin des Schiller-Instituts. Schiller-Institut/Werner Zuse

Im November 2020 veröffentlichte der Wirtschaftsforschungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA = United States Department of Agriculture) eine verheerende Analyse der Auswirkungen der „Farm to Fork“- und Biodiversitäts-Strategien des Green Deal, die zu den Folgen der COVID-19-Pandemie noch hinzukommen.

Das USDA schätzt, daß innerhalb von zehn Jahren zusätzlich zu den sowieso schon erwarteten Zahlen weitere 185 Millionen Menschen in Ernährungsunsicherheit (Mangel an zuverlässigen und/oder ausreichenden Nahrungsmitteln) geraten würden, wenn diese Farm to Fork/Biodiversitätsmaßnahmen von der EU, ihren Handelspartnern und den großen Nationen weltweit umgesetzt werden. Die Methoden und Quantifizierungen des USDA werden weiter unten dargestellt.

London führt den Wettlauf nach unten an

Es versteht sich von selbst, daß angesichts der grassierenden Pandemie eine internationale Zusammenarbeit dringend erforderlich ist, um die Nahrungsmittelproduktion zu stützen und auszuweiten, anstatt sie zu reduzieren. Wir haben es nicht nur mit einer Viruskrise, sondern auch mit einer Hunger-Pandemie zu tun. Laut dem UN-Welternährungsprogramm sind Ende 2020 rund 270 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht, und weitere 600 Millionen Menschen leiden unter Ernährungsunsicherheit. Eine Notfinanzierung kann diese Leben retten, indem die weltweiten Nahrungsmittelvorräte optimal genutzt werden. Gleichzeitig können wir handeln, um den Hunger ganz zu beenden. Wir müssen die Produktion und die Produktionskapazitäten ausweiten, ja sogar verdoppeln, aber ganz sicher nicht kürzen.

Trotz dieser Realität und der offensichtlichen Auswirkungen des Green Deal für den Hunger hat Großbritannien die Führung bei der Umsetzung der EU-Strategien übernommen, indem es im November 2020 sein neues nationales „Landwirtschaftsgesetz“ für sieben Jahre in Kraft gesetzt hat. Das Gesetz bietet Landwirten finanzielle Anreize, die „Umwelt“ über die Ernährung zu stellen. Das ist eine ebenso historische wie schreckliche Veränderung. Die britische Regierung erklärt: „Landwirte und Landverwalter in England werden in Zukunft mit öffentlichen Geldern für ,öffentliche Güter’ – wie bessere Luft- und Wasserqualität, blühende Tierwelt… – belohnt werden“, um dabei zu helfen, „bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.“

Mit dem Brexit mag das Vereinigte Königreich formal nicht mehr in der EU sein, aber auf beiden Seiten und auch fast überall sonst – außer in China und Rußland – wird die Wirtschaftspolitik immer noch vom monetaristischen Weltsystem der Megabanken und globalen Megakonzerne mit Zentrum in London und an der Wall Street bestimmt, die jetzt das „grüne Finanzwesen“ („Green Finance“) vorantreiben, um die Senkung der Agrarproduktion und des Verbrauchs von Lebensmitteln, Energie und allen anderen Lebensnotwendigkeiten durchzusetzen. Ihr Ziel ist es, weltweit alles in ihre Kontrollnetzwerke umzuleiten, was sie nur können, um damit ihr kollabierendes System zu stützen.

Zu den Hauptförderern dieses Prozesses, insbesondere seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, gehören Mark Carney, ehemals Gouverneur der Bank von England (2013–20) und jetzt UN-Sonderbeauftragter für Klimapolitik und Finanzen, Sir Michael Bloomberg, ehemals UN-Beauftragter für Klimapolitik (2018–20), und am prominentesten: Prinz Charles und sein Handlanger Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums. Diese Personen und Institutionen sind nicht „konfus“. Sie wissen ganz genau, daß „Green Finance“ und ihre vorgebliche „Umweltretter“-Bewegung Massenentvölkerung bedeutet. Das Weltwirtschaftsforum präsentierte offiziell seinen „Great Reset“-Masterplan für eine mörderische grüne Finanz- und Wirtschaftspolitik und die Verdrängung souveräner Regierungen durch die „Governance“ der Megabanken auf ihrer einwöchigen Veranstaltung „Davos Agenda“ vom 25. bis 29. Januar.

USDA berechnet die Folgen der Input-Kürzungen

Der Titel des vom Forschungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums veröffentlichten Berichts lautet: „Auswirkungen der Farm-to-Fork- und Biodiversitäts-Strategien der Europäischen Union auf die Wirtschaft und die Ernährungssicherheit“. Er ist 52 Seiten lang und enthält ganzseitige, detaillierte Datentabellen und Diagramme.3

Wie das USDA berichtet, werden in den „Farm to Fork“- und „Biodiversitäts“-Strategien der EU (im Bericht und in diesem Artikel als „Strategien“ bezeichnet) folgende Reduzierungen des Mitteleinsatzes („Inputs“) in der Landwirtschaft gefordert:

  • Reduzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen um 10 %; – Verringerung des Düngemitteleinsatzes um 20 %;
  • Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden um 50 %;
  • Reduzierung des Einsatzes von Antimikrobiotika, d. h. Antibiotika und andere Medikamente, um 50%.

Diese Kürzungen werden im EU-Strategieplan, der eine „nachhaltigere“ Nahrungsmittelproduktion fordert, die einen „verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt“ ermöglicht, in unterschiedlicher Weise gerechtfertigt. Die falsche Prämisse ist dabei jedoch stets, daß Technologie und wissenschaftlicher Fortschritt die Umwelt ruinieren und daß Wachstum und Bevölkerung begrenzt werden müssen. Damit wird die abgedroschene Behauptung von Pfarrer Malthus (1766–1834) wieder aufgewärmt, eine gelegentliche Entvölkerung sei notwendig, um „die Natur“ und die Anzahl der Menschen ins Gleichgewicht zu bringen – Malthus arbeitete für die Britische Ostindiengesellschaft.

Die EU spricht davon, bis 2030 ein „faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem“ zu erreichen. Doch unabhängig von der Rhetorik agieren die großen Agrar- und Lebensmittelkartelle (Unilever, Nestlé, Walmart, Cargill, JBS usw.) bereits in vielen Ländern gegen Regierungen und Landwirte, festigen ihre ohnehin massive Kontrolle und erlassen Vorschriften – grün oder nicht – zur Produktion. In Indien zum Beispiel protestieren seit Monaten Tausende von Bauern in der Hauptstadt dagegen.

Theoretisch könnte man die durch die Umsetzung der Strategien bedingten Rückgänge der Nahrungsmittelerzeugung durch andere Faktoren ausgleichen, z. B. durch ertragreicheres Saatgut, mehr Arbeitskräfte oder die Abfederung der Auswirkungen einer geringeren Produktion durch weniger Verschwendung in der Nahrungskette. Diese abmildernden Faktoren wurden in der USDA-Studie nicht berücksichtigt, da sie in den Plänen der EU-Strategien nicht explizit genannt werden.

Produktionskürzungen, Auswirkungen und drei Szenarien

Das USDA identifizierte 20 Lebensmittel (Getreide, Ölsaaten, Fleisch, Molkereiprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse usw.), deren Erzeugung durch die vorgeschlagenen Input-Kürzungen in der EU sinken würde, und rechnete die Folgen durch, die das Ausmaß der Rückgänge zeigen. Zusätzlich zu diesem Bild berücksichtigte die
Analyse, welche Auswirkungen die verringerte EU-Produktion außerhalb der EU, bei engen Handelspartnern und auf der Welt insgesamt hätte.

In einigen Fällen würden beispielsweise Länder, die in die EU exportieren, dazu veranlaßt werden, mehr Mais zu produzieren. In anderen Fällen wäre zu erwarten, daß Länder, die Weizen aus der EU importieren, ihre Importe auf andere Herkunftsländer verlagern würden. Diese wechselseitigen Veränderungen für andere Teile der Welt hat das USDA anhand seiner umfassenden Datenbank berechnet.

Es wurden nicht nur die Mengen der 20 Lebensmittelrohstoffe prognostiziert, sondern auch zusätzliche Kategorien von möglichen Auswirkungen: Preise der Rohstoffe, Preise von Exporten und Importen, Bruttoeinkommen der Landwirte, Anstieg der Lebensmittelkosten, Anstieg der Ernährungsunsicherheit (in Bezug auf die Anzahl der Menschen) und das BIP.

Schließlich hat das USDA bei der Erstellung dieser umfassenden Analyse die Frage berücksichtigt: Was wäre, wenn über die EU hinaus ein größerer Teil der Welt die Input-Kürzungen der Farm-to-Fork/Biodiversitäts- Strategien des Green Deal übernähme? Die Studie entwarf drei geographische Szenarien:

  1. das bereits beschriebene „Nur-EU-Szenario“;
  2. ein „Mittleres Szenario“, bestehend aus der EU und den Nationen, die von Agrarrohstoffexporten in die EU abhängig sind. Dieses Szenario geht davon aus, daß die EU jedem Land, das sich weigert, ihre Green- Deal-Strategien zu übernehmen, Handelsbeschränkungen auferlegen könnte;
  3. ein „Globales Szenario“: Diese letzte Kategorie umfaßt nicht alle Länder der Welt, aber die 76 in Bezug auf Bevölkerung, Lebensmittelkonsum und Handel wichtigsten Länder, für die das USDA über einen umfassenden Datensatz verfügt.

Diese drei Szenarien sind realistisch, weil die Europäische Kommission selbst ihre Absicht erklärt hat, ihren Green Deal zu verbreiten, indem sie „den globalen Übergang zu nachhaltigen Agrar- und Lebensmittelsystemen durch ihre Handelspolitik und internationale Kooperationsinstrumente unterstützen wird“.

Das vorhersehbare Resultat: Katastrophen

Die Folgen des Green Deal für die Landwirtschaft sind ein Desaster. Der Bericht liefert detaillierte Daten über den Preisanstieg für die Verbraucher, den fehlenden Preisvorteil für die Landwirte und die enormen Rückgänge und Schocks bei Produktionsänderungen, die die obligatorischen Inputbeschränkungen bedeuten. In der EU selbst sinkt die landwirtschaftliche Produktion unter dem Nur-EU-Szenario insgesamt um 12%; weltweit sinkt die Produktion um 1 %. Andere Länder gleichen die Einschnitte in der EU zum Teil aus. Aufgeschlüsselt nach Kategorien sinkt die Ölsaatenerzeugung in der EU um 61%, die Weizenerzeugung um 49 % und die bestimmter anderer Kulturen (aller Arten, von Kräutern bis zu Schnittblumen) um 44%. Die Auswirkungen auf die einzelnen Produkte sind unterschiedlich. Bei Weizen zum Beispiel machen Anbaufläche und Düngemittel einen großen Teil der Produktion aus, so daß eine Kürzung dieser Inputs große Auswirkungen hat. Diese und viele andere Details werden auch für die beiden anderen Szenarien bereitgestellt, und der Bericht enthält Datentabellen für Länder, Lebensmittel und Auswirkungen. Aber die Bedeutung der Analyse wird in dem einfachen Punkt vermittelt: Unter diesem Green-Deal-Wahnsinn werden Millionen von Menschen keine Lebensmittel haben.

Das hier wiedergegebene Diagramm aus der Studie (Abbildung 2) veranschaulicht die Nettozunahme der Zahl von Menschen – über einen projizierten Mindestzuwachs hinaus –, deren Ernährung bis 2030 nicht gesichert ist, jeweils für die drei Szenarien. Dabei ist zu beachten, daß es sich um ein sehr lineares, untertriebenes Bild handelt, weitere menschliche oder tierische Epidemien, Pflanzenkrankheiten, Wetterkatastrophen, größere Ernteausfälle usw. sind nicht berücksichtigt. Unter dem Nur-EU-Szenario führen die Kürzungen der landwirtschaftlichen Betriebsmittel und der Produktion dazu, daß weltweit wahrscheinlich 22 Millionen mehr Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, als sonst zu erwarten wäre. Darunter sind 8 Millionen in Afrika und 10 Millionen in Asien. Im Mittleren Szenario steigt die Zahl der auf 103 Millionen Menschen, vor allem in Afrika und Südwestasien.

Zum globalen Szenario stellt der USDA-Bericht fest: „Wenn die Strategien auf globaler Ebene angenommen werden, steigt die Zahl der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Menschen um 185 Millionen… Der Anstieg der Ernährungsunsicherheit verteilt sich über alle Regionen, aber Afrika (80 Millionen) und das übrige Asien (72 Millionen) sind weiterhin am stärksten betroffen. Das liegt daran, daß sie den größten Anstieg der Rohstoffpreise und die größten BIP-Rückgänge erleben könnten.“

  1. dt: „Vom Hof auf den Tisch“, siehe https://eur-lex. europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1590404602495&uri=CELEX%3A52020DC0381[]
  2. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A52020DC0380&qid=1611829938932[]
  3. “Economic and Food Security Impacts of the European Union Green Deal‘s Farm to Fork and Biodiversity Strategies“, https://www.ers.usda.gov/webdocs/ publications/99741/eb-30.pdf?v=723[]