Lyndon LaRouche über die Frage: Wer erfand Malthus?

Der folgende Auszug stammt aus Lyndon LaRouches Buch „Es gibt keine Grenzen des Wachstums“ (1983).

(…) Beginnen wir mit dem Pastor Malthus selbst. Wer oder was verbarg sich hinter seiner Schrift von 1798 (Essay on the Principles of Population)? Dieselbe Schicht wohlhabender Familien, die damals hinter Malthus stand, schürt auch die neumalthusianischen Bewegungen heute.

Thomas Robert Malthus

Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlichte der Führer der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, Dr. Benjamin Franklin, eine Schrift, in der er sich auf der Grundlage wirtschaftlicher Erkenntnisse für ein rasches Bevölkerungswachstum in Nordamerika einsetzte. Ein Freund Franklins, der von seinen Ideen inspiriert worden war, übersetzte diese Schrift ins Italienische und ließ sie veröffentlichen. Als Reaktion darauf schrieb der venezianische Mönch Giammaria Ortes, ein Sprecher mächtiger venezianischer Bankiers, den Versuch einer Widerlegung.

Berichte von Ortes’ Angriffen auf Franklin gelangten nach Großbritannien, wo einige Zeit später ein aufstrebender junger Absolvent der Divinity School der Universität Oxford namens Thomas Malthus ein Plagiat von Ortes’ Schrift unter seinem eigenen Namen veröffentlichte: Das Essay on the Principles of Population. Zu jener Zeit diente Malthus dem britischen Premierminister William Pitt dem Jüngeren, der 1798 Malthus’ berühmt-berüchtigtes Werk veröffentlichen ließ. Wie Pitt im britischen Parlament erklärte, diente ihm Malthus’ Schrift als Vorwand für die Beschneidung des britischen Armenrechts im Jahr 1800, womit Großbritannien die Finanzierung seiner „nutzlosen Esser“ einstellte.

Das war der Ursprung des Begriffs „Malthusianismus“.

Zu Ehren dieser Verdienste richtete die britische Ostindiengesellschaft am firmeneigenen Haileybury College, wo sie ihre leitenden Agenten ausbildete, für Malthus die erste Professur für Volkswirtschaftslehre in Großbritannien ein. Alle namhaften britischen Volkswirtschaftler – mit Ausnahme des Sonderfalls Karl Marx –, Adam Smith und Jeremy Bentham, Malthus, David Ricardo, James Mill und sein Sohn John Stuart Mill, hatten am Haileybury College eine Professur inne.

Es ist unverzichtbar, diese Verflechtungen zwischen der britischen Politischen Ökonomie, dem Malthusianismus, dem Handel mit afrikanischen Sklaven und dem Opiumhandel in China zu ermitteln, um den erneuten Ausbruch des Malthusianismus im 19. und 20. Jahrhundert zu verstehen. Um den Einfluß des Malthusianismus auf dem europäischen Kontinent richtig einzuschätzen, ist es außerdem unverzichtbar, die engen Beziehungen zwischen den Hintermännern des Venezianers Giammaria Ortes und der britischen Ostindiengesellschaft zu durchleuchten…

In Smiths Theory of Moral Sentiments von 1759 finden sich bereits alle maßgeblichen Punkte, die später in seinem Plagiat von A. Turgots Schrift Reflektionen über das Entstehen und die Verteilung des Reichtums, in seinem bekannten anti-amerikanischen Traktat Wealth of Nations (1776) auftauchen. Das zeigt folgender Abschnitt aus der Schrift von 1759:

„Die Sorge um die universelle Glückseligkeit aller denkenden und fühlenden Geschöpfe obliegt Gott und nicht den Menschen. Der Mensch muß sich um bescheidenere Bereiche bekümmern, die der Schwäche seiner Kräfte und der Begrenztheit seines Auffassungsvermögens viel mehr entsprechen: die Sorge um seine eigene Glückseligkeit, sowie die seiner Familie, seiner Freunde und seines Landes… Doch obwohl wir das äußerste Bestreben haben, diese Ziele zu erreichen, wurde es den langsamen und ungewissen Überlegungen unseres Verstandes anheimgestellt, die geeigneten Mittel dafür zu finden. Die Natur leitet uns hierzu meistenteils vermittels ursprünglicher und plötzlicher Instinkte. Hunger, Durst, die Leidenschaft, die die beiden Geschlechter miteinander verbindet, das Wohlgefallen an der Lust und die Furcht vor dem Schmerz veranlassen uns, uns dieser Mittel um ihrer selbst willen zu bedienen, ohne uns darum zu besorgen, daß der große Dirigent der Natur mit ihnen jene wohltätigen Zwecke beabsichtigte.“

(…) Der afrikanische Sklavenhandel, der Opiumhandel in China und, im Falle der involvierten Amerikaner, Hochverrat – dies alles war nur Mittel zum Zweck, um die britische Ostindiengesellschaft, ihre amerikanischen Handlanger und ihre Nachkommen noch mächtiger und einflußreicher zu machen und ihnen noch mehr Respekt zu verschaffen.

Sklaven- und Opiumhandel, Wucher, die profitable Vermarktung von Verrat waren Markenzeichen für Moral und Philosophie der britischen Ostindiengesellschaft und ihrer amerikanischen Agenten, d. h. der damaligen Malthusianer; ihre Nachkommen in der Schweizer Oligarchie und dem „Schwarzen Adel“ stehen heute hinter dem Malthusianismus.