Sofortmaßnahmen zur Senkung des Ölpreises

Die Energiepreise haben eine solche Höhe erreicht, dass viele Länder vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen, wenn nichts Einschneidendes geschieht. Der damalige amerikanische Präsidentschaftskandidat Lyndon LaRouche hat schon im September 2000 in 10 Punkten zusammengefaßt, wie mit strategischen Absprachen zwischen Regierungen die Ölversorgung der Welt zu akzeptablen Preisen sichergestellt werden kann. Vergleichbare Maßnahmen können heute eine schnelle Senkung der Energiepreise bewirken. Wir veröffentlichen daher aus aktuellem Anlaß Auszüge aus diesem Dokument:

[2.] Allgemein besteht die Gefahr, dass die gegenwärtige weltweite Inflation der Erdölpreise einen chaotischen Zusammenbruch vieler, wenn nicht aller Volkswirtschaften der Welt auslöst. Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen in Reaktion auf diese Notlage werden das tiefere Problem der Finanz- und Währungssysteme der Welt nicht lösen, sie werden aber einen wichtigen und vielleicht entscheidenden Schritt in Richtung einer Lösung bewirken.

[3.] Die eigentliche Ursache der Krise, von der die Ölpreiskrise nur der derzeit sichtbarste Ausdruck ist, ist eine allgemeine Hyperinflation der Wertpapierpreise, die sich jetzt auch zunehmend in einer Hyperinflation der Warenpreise ausdrückt. Diese folgt inzwischen einem ähnlichen Trend wie in Weimardeutschland zwischen März und November 1923.

[4.] Aus verschiedenen konvergierenden und relativ offensichtlichen Gründen zeigt sich die brutalste Auswirkung dieser finanziellen Hyperinflationsspirale in einem verheerenden Tempo und Ausmaß des Anstiegs der Erdölkosten. In dem immer verzweifelteren Versuch, einen Zustrom von Geldern in den Dollar-Sektor zu sichern, werden verschiedene kombinierte Fakto ren genutzt, um aus den hyperinflationären Trends in den Endpreisen von Erdölprodukten eine weitere Preisakkumulation von Wertpapieren zu erzielen. Zu diesen Faktoren gehören die in jüngster Zeit verstärkte Besitzkonzentration großer Ölgesellschaften durch Fusionen und Übernahmen, die wachsende Rolle des Spot-Marktes bei der Ölversorgung, die Bedeutung der Abrechnung von Öllieferungen in US-Dollar sowie die intensiven spekulativen Aktivitäten – besonders in Form von Finanzderivaten – in diesem Bereich, die den Ölpreis bald auf 40 bis 50 US-Dollar pro Barrel und noch weit höher zu treiben droht.

[5.] Dieses Problem läßt sich selbst kurzfristig mit keiner der üblichen Methoden unter Kontrolle bringen. Nur miteinander koordinierte einschneidende Maßnahmen souveräner nationaler Regierungen können die Ölpreiskrise unter Kontrolle bringen. Alle anderen Vorschläge wären kindische Illusionen. Wenn nicht in unmittelbarer Zukunft staatliche Maßnahmen ergriffen werden, wird in den kommenden Wochen wahrscheinlich ein internationales Chaos ausbrechen.

[6.] Das richtige Vorgehen, das von der amerikanischen Regierung ausgehen muß, hat auf die unverzügliche Kooperation unter den Regierungen der wichtigsten erdölexportierenden Länder und der wichtigsten ölkonsumierenden Länder abzuzielen.

[7.] Diese Regierungen müssen a) in der Frage stabiler Lieferungen und Preise für die lebensnotwendige Energieversorgung der Volkswirtschaften den allgemeinen strategischen Notstand erklären. b) Zwischen den Regierungen müssen direkte Verträge geschlossen werden, die nicht weniger als zwölf Monate Öllieferungen der exportierenden an die konsumierenden Nationen festlegen. c) Es müssen vernünftige Preise für diese Verträge definiert werden. d) Auf der Grundlage des weltweiten strategischen Notstands von Erdölpreisen und -lieferungen müssen diese Regierungen anordnen, dass die entsprechenden Raffinerien diese vertraglich festgesetzten Rohöllieferungen für bevorzugte Kategorien von Verbrauchern in jeder Nation
mit Priorität verarbeiten, andere Lagerbestände also in dem Maße zurückgestellt werden, dass diese Prioritätslieferungen zuerst bedient werden.

[8.] Ein solches Vorgehen wird den gegenwärtigen hyperinflationären Trend beim Erdöl weitgehend in sich zusammenfallen lassen. Es wird beträchtliche politische Auswirkungen haben: unter anderem Gegenreaktionen der Spekulanten, welche sich gegenwärtig auf Kosten der unter hochschießenden Erdölpreisen leidenden Volkswirtschaften den Wanst vollschlagen. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige wenige mächtige Spekulanten mit ihrer Habgier Unternehmen zer stören, die für das nationale Interesse ganzer Länder und für die Beziehungen unter diesen Ländern lebensnotwendig sind. Der Opposition gegen die dringend erforderlichen Maßnahmen muß aus übergeordneten Gründen des nationalen strategischen Interesses widerstanden werden.

[9.] Das vorgeschlagene Vorgehen wird allerdings den umfassenderen hyperinflationären Trend nicht beseitigen. Es wird lediglich ein sehr kritisches Segment dieser spekulativen Inflation unter Kontrolle bringen und den Standard für die Zusammenarbeit setzen, die jetzt dringend notwendig ist, um mit den internationalen Bankenkrisen und verwandten Problemen, die in den kommenden Wochen und Monaten die Welt treffen werden, fertigzuwerden ….