Teuerung und Verknappung von Nahrungsmitteln: Die Regierungen müssen eingreifen

Die Lebensmittelpreise steigen weltweit rasant an. Der monatliche Lebensmittel-Preisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigt, dass die Lebensmittelpreise im Oktober 2021 gegenüber dem gleichen Monat im Jahr 2020 um 31 Prozent gestiegen sind, und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Die Lebensmittelpreise stiegen drei Monate in Folge, allein von September auf Oktober um fast 4 Prozent.

Das ist schon schlimm genug, aber noch schlimmer ist, dass zusätzlich eine weltweite Verknappung bevorsteht – es sei denn, die Regierungen brechen mit dem (manipulierten) „Freihandelssystem“ bei Lebensmitteln unter der Kontrolle von Kartellen und Globalisten, und greifen ein, um die nächsten Ernten und die Produktion von tierischem Eiweiß aufrecht zu erhalten und auszuweiten und so eine Massenhungersnot abzuwenden.

Schuld an der sich verschlimmernden Krise der Nahrungsmittelversorgung ist die jahrzehntelang angewachsene Konzentration und Macht der Rohstoff-Abteilung des globalen Finanzestablishments der Wall Street und der City sowie das Diktat der „grünen“ Agenda durch die gleichen Kreise. Es gibt keine „natürlichen“ Beschränkungen der Nahrungsmittelproduktion. Selbst die Auswirkungen von Stürmen, Dürren, Unfruchtbarkeit von Böden, extremen Temperaturen und ähnlichem lassen sich wissenschaftlich und technisch bewältigen, wenn die Politik auf die Ausweitung der Nahrungsmittelerzeugung ausgerichtet ist, anstatt auf das grüne Ziel radikaler Bevölkerungsreduktion.

Die Schlüsselfaktoren für eine zuverlässige Nahrungsmittelversorgung sind 1. ausreichend Energie und Infrastruktur (Transport, Lagerung, Katastrophenschutz, Wasser), beides Bereiche, die heute in der Krise sind, und 2. Zusammenarbeit zwischen Regierungen für notwendige Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirte bei der Erzeugung und zur Bereitstellung von Nahrungsmittelnothilfe für Millionen Hungernde. Der monatlich erscheinende FAO-Lebensmittelpreisindex umfaßt fünf Grundnahrungsmittelgruppen: Getreide, Speiseöle, Milchprodukte, Fleisch und Zucker. Als Daten werden die Preise für diese Waren verwendet, wie sie zwischen den Ländern gehandelt werden.
In den letzten Monaten hat der Preisanstieg bei Getreide und Speiseöl den stärksten Impuls für den Indexanstieg gegeben.
Eine Momentaufnahme der gegenwärtigen weltweiten Lage beim Getreide im Hinblick auf unzureichende Produktion und Verfügbarkeit zeigt die Gefahr, die vor uns liegt. Getreide ist ein guter Maßstab dafür, ob die Nahrung insgesamt angemessen ist, weil es für die meisten Menschen auf der Welt der Hauptbestandteil ihrer Ernährung ist, jeweils in den verschiedenen Eßkulturen: Brot, Nudeln/Pasta, Tortillas, Couscous und ähnliche Lebensmittel. Gleichzeitig ist Getreide auch ein wichtiger Bestandteil der Futtermittelkette für die Viehzucht.

Abbildung 1 zeigt die jährlichen weltweiten Produktionsmengen aller Getreidesorten (Reis, Mais, Weizen, Roggen, Buchweizen, Gerste, Hafer, Hirse usw.) und die Höhe der Lagerbestände, die als Reserven oder Übertrag von Jahr zu Jahr betrachtet werden. Die Bestände sind seit vier Jahren in Folge geschrumpft, und die Produktion hat kaum noch zugenommen. Seit den 90er Jahren ist die Pro-Kopf-Erzeugung von Getreide weltweit rückläufig.

Abb. 1: Produktion, Verbrauch und Vorräte von Getreide weltweit. (FAO)

Heute, drei Jahrzehnte später, leiden mehr als 800 Millionen Menschen – etwa jeder Zehnte – unter Ernährungsunsicherheit (wie die Hilfsorganisationen es nennen), und Millionen stehen kurz vor dem Hungertod, wie unten beschrieben wird.

Die aktuelle Getreidemeldung der FAO (FAO World Food Situation – Cereal Supply and Demand Brief) vom 4. November 2021 beschreibt diese Lage: Die geschätzte Weltgetreideerzeugung für das Erntejahr 2021–22 beträgt 2793 Millionen Tonnen. Das sind zwar 0,8 Prozent mehr als im letzten Erntejahr, aber durch die Hyperinflation und Engpässe (bei Treibstoff, Maschinenteilen, Arbeitskräften usw.) während der Erntezeit auf der nördlichen Halbkugel und der Pflanzsaison auf der südlichen kann die Zahl noch sinken. Von Erdgas bis hin zu Chemikalien steigen die Preise für Betriebsmittel rapide an, und sie werden immer knapper.

Diese Getreideproduktion von 2,8 Milliarden Tonnen liegt schon jetzt weit unter dem angemessenen Niveau. Bei der Berechnung dieses Niveaus für angemessene Ernährung geht man davon aus, dass pro Jahr und Person 50–60 Prozent einer Tonne Getreide erzeugt werden sollte. Daraus ergibt sich ein Ziel in der Größenordnung von 4,7 Milliarden Tonnen für die derzeitige Weltbevölkerung.

Um diese Menge an Nahrungsmitteln bereitzustellen, muss die weltweite Getreideerzeugung praktisch verdoppelt werden. Eindämmen von Verschwendung bzw. unnötigen Verlusten kann diese Größenordnung etwas ausgleichen: Durch Bestrahlung kann man Schädlinge abtöten und Fäulnis verhindern; auch eine gesteigerte Erzeugung von Knollen wie Kartoffeln und anderen Grundnahrungsmitteln außer Getreide kann eine Rolle spielen. Aber es gibt keine moralische, wirtschaftliche oder wissenschaftliche Entschuldigung dafür, weniger zu produzieren und zu tolerieren, dass Menschen unnötig Hunger leiden und sterben.

Eine bemerkenswerte Demonstration, wie das Potential zur Steigerung der Erträge genutzt werden kann, fand gerade im Oktober 2021 in China statt. In der Provinz Hainan in den Subtropen wurde die zweite Ernte in diesem Jahr mit einer neuen Reissorte eingebracht, die einen herausragenden Jahresertrag von 22 t/ha erbrachte. Die erste Ernte und die anschließende Neupflanzung erfolgten im Dezember 2020 unter der Leitung des berühmten Pflanzenbauwissenschaftlers Yuan Longping, der wegen seiner Errungenschaften in den 1970er Jahren als „Vater des Hybridreis“ verehrt wird. Er verstarb im Mai im Alter von 91 Jahren, bevor er die Vollendung dieses Doppelernte-Reisprojekts erlebte, nun ist es ein Zeugnis seines Vermächtnisses und ein Aufruf zu Sofortmaßnahmen.

Steigende Düngemittelpreise: Russland bietet Hilfe an

In zwei Bereichen der Getreideerzeugung sind besonders dramatische Kostensteigerungen zu verzeichnen: bei Düngemitteln und Kraftstoffen. Stickstoffhaltige Düngemittel sind für maximale Erträge bei Mais, Weizen und anderen Getreidesorten unerläßlich. Dünger, Gülle, Nachterden, Kompostierung und Bodenanreicherung aller Art sind wichtig, aber kein Ersatz für die rechtzeitige und wissenschaftliche Ausbringung von chemisch hergestellten Düngemitteln. Erdgas ist ein Ausgangsstoff für Ammoniak- und Harnstoffdünger. Sein Preis hat sich in Europa in weniger als einem Jahr verdreifacht.

Christine Schneider vom Bayerischen Rundfunk berichtete am 8. November in der ARD unter dem Titel „Teurer Dünger setzt Landwirte unter Druck“ über die Probleme der bayerischen Landwirte im Zuckerrübenanbau. Die Preise für Stickstoffdünger haben sich innerhalb eines Jahres verdreifacht, deshalb werden die Landwirte „nervös“. Auch die steigenden Treibstoffpreise machen ihnen zu schaffen.

Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Ernährungssicherheit als eine der „grundlegenden Überlegungen“, die Staaten anstellen müssen. (www.kremlin.ru/cc)

In der Sendung erklärt der Landwirt Max Ampferl aus der Nähe von Ingolstadt, er habe 2020 Stickstoffdünger für 170 Euro/Tonne bekam, im Sommer 2021 habe er bereits 270 Euro/Tonne gekostet und nun liege er bei 550 Euro/Tonne. Und er ist nicht nur teuer, sondern auch schwer zu bekommen, da die Düngemittelhersteller (wie die SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Sachsen-Anhalt, Ostdeutschland; der größte deutsche Hersteller von Ammoniak und Harnstoff-Stickstoff) ihre Produktion wegen der hohen Preise für Erdgas, der wichtigsten Ressource für die Herstellung, um 30 Prozent reduziert haben. Sie rechnen damit, dass die Landwirte ihre Produktion aufgrund der hohen Produktionskosten ebenfalls reduzieren werden und haben ihre Produktion bereits im Vorfeld gesenkt – es ist ein Teufelskreis.

Einige Landwirte sind dabei, die Aussaat ihres Winterweizens und anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse einzustellen, da ein Teil davon dreimal gedüngt werden muß, bis er geerntet werden kann, und sie befürchten, dass die Kosten im nächsten Jahr weiter steigen werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Dieselpreise für ihre Motoren um 40 ct/l höher sind als im letzten Jahr, was das Bild noch düsterer macht. Einige der Landwirte, die ihre Traktoren und Mähdrescher stark beanspruchen, müssen in diesem Jahr mit einem Anstieg der Kraftstoffkosten um bis zu 40.000 Euro rechnen.

Die größten Monopolunternehmen des weltweiten Düngemittelkartells reduzieren einfach die Produktion von Stickstoffdünger. Svein Tore Holsether, Vorstandsvorsitzender des norwegischen Unternehmens Yara, das international zu den drei größten Unternehmen der Branche gehört, sagte in der Ausgabe von Fortune vom 4. November:

„Ich möchte hier und jetzt laut und deutlich sagen, dass wir bei der nächsten Ernte eine sehr geringe Ernte riskieren. Ich fürchte, wir werden eine Lebensmittelkrise bekommen… Die Produktion einer Tonne Ammoniak kostete letzten Sommer 110 US-Dollar. Und jetzt sind es 1000 US-Dollar. Es ist einfach unglaublich.“

Andere Düngemittel, darunter Phosphate und Kalium, erleben ebenfalls hyperinflationäre Preissteigerungen, und die Versorgung damit ist unsicher.

Das wirft die Frage auf, wann die Macht der Kartelle darüber, wie und wieviel Lebensmittel produziert werden, endlich beendet wird. Die Regierungen haben eine hoheitliche Verantwortung für die Lebensmittelversorgung.

Ernte von Wintergerste: Aufgrund der hohen Düngemittel- und Treibstoffpreise lohnt sich der Getreideanbau für viele Landwirte nicht mehr. (Wikimedia Commons/ Hinrichs/cc-by-sa 2.0)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Ernährungsfrage vor kurzem direkt angesprochen, er bezeichnete die Ernährungssicherheit als eine der „grundlegenden Überlegungen“, die Staaten anstellen müssen. Am 21. Oktober bot er auf der Jahrestagung des einflußreichen Waldai-Diskussionsklubs an, dass Russland seine Erdgasförderung steigert, um mehr russischen Dünger auf den Weltmarkt zu bringen und so die drohende weltweite Nahrungsmittelkrise abzuwenden. Er sagte:

„Düngemittelhersteller, die Erdgas verwenden, schließen bereits ihre Produktionsanlagen. Das geschieht bereits… Was wird das zur Folge haben? Es wird weniger Lebensmittel auf dem Weltmarkt geben, und die Menschen werden höhere Preise zahlen müssen. Und wieder einmal sind die Menschen selbst schuld… Die Qualität und Quantität der Ernten, das Volumen der Ernten hängt von ihnen ab. Aber wir liefern die notwendigen Mengen an Düngemitteln an die internationalen Märkte, und wir sind bereit, die Produktion weiter zu steigern.“

Millionen von Menschenleben auf dem Spiel

Noch bevor diese Szenarien einer weltweiten Mangelernte im Jahr 2022 eintreten, könnte der aktuelle Bedarf an Getreide und anderen Nahrungsmitteln nicht deutlicher sichtbar sein. Die Karte in Abbildung 2 gibt einen Überblick über die „akuten Krisenherde der Ernährungssicherheit“, die im Spätsommer aufgetreten sind und wo sich die Lage aufgrund fehlender Nahrungsmittelhilfe und fehlender Betriebsmittel für die nächste Saison derzeit verschlimmert. Die Karte ist Teil des Berichts Hunger Hotspots von FAO und WFP („Hunger-Brennpunkte: Frühwarnungen zu akuter Ernährungsunsicherheit. Ausblick August bis November 2021“). In der Zusammenfassung des Berichts heißt es:

„Gezielte humanitäre Maßnahmen sind dringend erforderlich, um Leben und Existenzgrundlagen in 23 Hotspots zu retten. Darüber hinaus sind in fünf dieser Krisenherde humanitäre Maßnahmen entscheidend für die Verhinderung von Hungersnot und Tod.“

Angeführt wird die Liste der betroffenen Länder von der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Jemen, Nigeria, Afghanistan und Syrien. Weiter heißt es in dem Bericht:

„Die alarmierende Geschwindigkeit, mit der die akute Ernährungsunsicherheit weltweit zunimmt, wurde bereits in den letzten drei Ausgaben des FAO-WFP-Berichts über die Hunger-Hotspots vorausgesagt. Im Jahr 2020 waren schätzungsweise 155 Millionen Menschen in 55 Ländern und Territorien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, ein Anstieg um 20 Millionen gegenüber 2019.“

Abb. 2: Weltkarte der akuten Krisenherde der Ernährungssicherheit, Aussichten August–November 2021. (FAO/WFP, Juli 2021)

Im Herbst 2021 ist diese Zahl um weitere sechs Millionen auf 161 Millionen gestiegen, und sie steigt unaufhaltsam weiter. Die Maßnahmen in Afghanistan wurden in einem Aufruf des Welternährungsprogramms vom 6. November hervorgehoben:

„Wir schätzen, dass 40 Prozent der Weizenernte in Afghanistan durch die Dürre verlorengegangen sind, während die Nahrungsmittelbestände bedrohlich knapp werden. Der Winter steht vor der Tür, und wir arbeiten daran, Nahrungsmittel an strategischen Orten zu lagern, bevor es zu spät ist. Da jeder zweite Afghane nicht weiß, woher seine nächste Mahlzeit kommen wird, wollen wir bis Ende des Jahres 14 Millionen Menschen mit Nahrungsmittelnothilfe erreichen… Bis zu 95 Prozent der afghanischen Familien kämpfen derzeit darum, genug zu essen zu bekommen.“

Abb. 3: Im September 2021 litten in den neun schlimmsten Krisenregionen 111 Millionen Menschen unter einer Ernährungskrise. Für Syrien, wo 2020 12,4 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittelhilfe benötigten, lagen keine Zahlen vor. (Grafik: Food Security Information Network)

Ein Land mit 39 Millionen Einwohnern versinkt in Verzweiflung über die Nahrungsmittelversorgung (Abbildung 3). Die Vereinigten Staaten müssen 9 Milliarden US-Dollar, die der afghanischen Regierung und dem afghanischen Volk gehören aber derzeit in westlichen Banken „eingefroren“ sind, sofort freigeben, um dazu beizutragen, dass überhaupt die unmittelbaren Grundfunktionen in dem Land aufrechterhalten werden. Die Welt wartet sehnsüchtig darauf, dass die USA mit anderen Großmächten zusammenarbeiten, um überall Sofortmaßnahmen für die Ernährung, die medizinische Grundversorgung und die wirtschaftliche Sicherheit einzuleiten.