Vorbild des „Regimewechsels“: Hjalmar Schachts Politik

Hjalmar Schacht war in den 1920er Jahren Chef der deutschen Zentralbank. Nach 1929 nahm sich Schacht ein paar Jahre eine Auszeit, um von Bankiers- und Industriefreunden in Deutschland und London Geld für Hitler zu beschaffen und bei den Wahlen 1932 und Anfang 1933 für die Nazis zu werben. Er fand aber Zeit, bei der Gründung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel mitzuwirken, der sogenannten „Zentralbank für Zentralbanken“. Und er war ein ziemlicher Favorit des Chefs der Bank von England, Montagu Norman, und wurde ein Favorit des britischen Ökonomen John Maynard Keynes.

1933 kehrte Schacht als Hitlers Reichsbankchef und Wirtschaftsminister zurück, mit viel mehr Macht, als er zehn Jahre zuvor gehabt hatte. Damals hatte der deflationäre Schacht das Geld sehr knapp gemacht, jetzt druckte er Geld in einem Ausmaß, wie es kein Zentralbanker je zuvor getan hatte. Die „Mefo-Wechsel“, die er druckte, waren seine Idee, nicht die von Hitler oder Göring. Er ließ einen Kreis der größten Banken und industriellen Rüstungsproduzenten eine Scheinfirma gründen, massenhaft eigene Schuldscheine ausgeben, und seine Reichsbank kaufte sie mit neuem Geld.

Mit diesem Plan nahm er der Nazi-Regierung die Kontrolle über den Haushalt und machte die Zentralbank zur dominierenden Kraft bei den nominellen Staatsausgaben. Das war ein Zentralbank-„ Regimewechsel“. Wichtiger war sein Zweck, eine gewaltige Verschiebung der Wirtschaftstätigkeit auf breiter Front: In nur zwei Jahren von 1933-35 trieb Schacht die Rüstungsproduktion von 2 Prozent des deutschen BIP auf 20 Prozent des BIP. Einige andere Industrien – zum Beispiel die Textil- und Bekleidungsproduktion, Landmaschinen, Wohnungsbau – wurden gedrosselt. Im Rahmen dieser Umstellung begann das System der Arbeitslager, das sich allmählich zum Horror des 20. Jahrhunderts entwickelte.